Vom Krankenwagen zum Rettungsdienst – Worüber verfügen die mobilen Lebensretter?

Sportevents, Konzerte, Jahrmärkte – Die Präsenz von Krankenwagen sowie den dazugehörigen Sanitätern gehören heute zum Bild jeder großen Veranstaltung. Sie vermitteln nicht nur ein Gefühl von Sicherheit, sondern gehören auch zu den ersten Anlaufstellen für die schnelle Versorgung von Verletzten.

Dabei ist die Bezeichnung „Krankenwagen“ nicht nur im eigentlichen Sinne missverständlich, sondern wird von den meisten Menschen umgangssprachlich auch als allgemeiner Begriff für eine Vielzahl von verschiedenen Einsatzfahrzeugen der Rettungsdienste verwendet. Doch wo genau liegen die Unterschiede zwischen Notarztwagen, Rettungswagen und Kranken(transport)wagen und wie sind die Fahrzeuge ausgestattet?

Der Rettungswagen – Ausstattung, Besatzung & technische Hilfsmittel

Spricht man umgangssprachlich von einem Krankenwagen, so ist häufig der Rettungswagen, kurz RTW, gemeint. Dieser kommt in erster Linie als Rettungsmittel im Rahmen der Notfallrettung zum Einsatz. Ein sogenannter Leitstellendisponent, also derjenige, der das Hilfeersuchen der Anrufer entgegennimmt, informiert die Besatzung des Rettungswagens über die (Notfall)situation und schickt sie zum entsprechenden Einsatzort. Dies geschieht in vielen Fällen mit der Berechtigung zur Nutzung von Sondersignalen (d.h. Blaulicht und Einsatz- oder Martinshorn) sowie bestimmten Wegerechten, also der Befreiung von der Straßenverkehrsordnung, um ein schnellstmögliches Erreichen des Einsatzortes zu gewährleisten. Häufig wird zeitgleich zum Rettungswagen auch ein Notarzt alarmiert.

Krankenwagen und NotarztDie personelle Ausstattung eines Rettungswagens wird durch das Landesrettungsdienstgesetz der jeweiligen Bundesländer festgelegt, grundsätzlich besteht sie aber immer aus mindestens zwei Personen. Sie unterteilt sich in einen Rettungsassistenten oder einen Notfallsanitäter, der als Einsatzleiter („Transportführer“) fungiert und einem Rettungssanitäter, der als Fahrer des RTW zum Einsatz kommt. In vielen Fällen wird die Besatzung zusätzlich durch ein drittes Crewmitglied ergänzt – in der Regel ein Auszubildender. Im Gegensatz zum eigentlichen Krankenwagen, oder besser Krankentransportwagen, müssen Rettungswagen somit immer von mindestens einem Rettungsassistenten besetzt sein.

Auch hinsichtlich der technischen Ausstattung zeigen sich große Unterschiede. Rettungswagen verfügen nicht nur über mehr Platz zur Versorgung von Patienten als ein Krankenwagen, sondern auch ein deutlich umfangreicheres medizinisches Equipment – sowohl technisch als auch in Hinblick auf Notfallmedikamente (Adrenalin, Psychopharmaka, etc.). Die zugrunde liegende Regelung entspricht in Deutschland einer speziellen DIN-Norm, genauer gesagt der für die sog. „Mobile Intensive Care Unit“ (EN 1789 Typ C). Zur Ausstattung zählen unter anderem die folgenden Geräte:

  • Beatmungsgerät
  • Intubationsbesteck (mehrteiliges Set zur Einführung eines Tubus (einer Hohlsonde) in den Körper)
  • Absaugpumpe
  • Material zur Schienung von Gliedmaßen
  • EKG (Elektrokardiogramm)
  • Dosierpumpe zur intravenösen Verabreichung von Medikamenten („Perfusor“)
  • Sauerstoffvorräte

etc.

Hinzu kommt die gesamte Grundausstattung, über die auch ein Krankenwagen verfügt.

Unterscheidung von Krankenwagen und weiteren Einsatzfahrzeugen

Die Bezeichnung Rettungswagen (RTW) ist genaugenommen nur dann korrekt, wenn sich kein Notarzt im Fahrzeug befindet. Sobald dies der Fall ist, wir der RTW zum NAW, dem Notarztwagen. Häufig ist dies eine Standardprozedur, weshalb man hier auch von einem Kompaktsystem spricht. Alternativ treffen Rettungswagen und Notarzt erst am Einsatzort aufeinander. In diesem Fall nutzt der Notarzt ein separates Fahrzeug, welches die Bezeichnung Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) trägt.

Und was ist nun der eigentliche Krankenwagen?

Ein sog. Krankentransportwagen (KTW) kommt zum Einsatz, wenn sich Patienten nicht in einer akuten Bedrohungslage befinden. Hier geht es also tatsächlich eher um den Transport von erkrankten Personen sowie einer entsprechenden Betreuung durch geeignetes Fachpersonal. Je nach Bundesland muss es hierbei auch nicht zwingend um einen Rettungssanitäter handeln.

Krankenwagen sind aufgrund ihrer zugedachten Funktion normalerweise etwas kleiner als Rettungswagen. Zu den Einsatzzwecken eines KTW zählen:

  • Verlegungen von Patienten zwischen zwei Kliniken
  • Transport zum Facharzt bzw. nach einem Krankenhausaufenthalt zurück nach Hause
  • Überführung von Blutkonserven (falls medizinischer Transportdienst nicht verfügbar ist)
  • Zwangseinweisungen von psychisch erkrankten Menschen (z.T. unter Polizeischutz)
  • Ambulanzfahrten bestimmter Patienten (z.B. zur Dialyse und zurück)

Wie oben bereits genannt verfügen Kranken(transport)wagen über eine Grundausstattung, welche ebenfalls für ganz Europa festgeschrieben ist. Hierzu gehören eine mobile Notfallausrüstung, eine Trage sowie ein Tragestuhl, Verbandsmaterial, sowie ein Sauerstoffgerät und eine Absaugpumpe. Zusätzliche technische oder medizinische Ausstattung ist freiwillig und liegt im Ermessen des jeweiligen Trägers.

In der Realität wird die Verwendung von Krankenwagen und Rettungswagen übrigens nicht immer ganz so strikt getrennt. Aus Gründen der Auslastung von Fahrzeugen werden für die beschriebenen Aufgaben eines Krankenwagen auch mal ein Rettungswagen verwendet. Dies hängt natürlich immer von verfügbaren Kapazitäten und Einsatlage ab.

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