Bergwandern als Trendsport – Sicherheit & Gefahrenprävention

Zu den angesagtesten Trendsportarten unserer Zeit gesellt sich seit einigen Jahren erstmals wieder eine eher konservativ anmutende Freizeitbeschäftigung: Das Wandern in den Bergen. Selten waren Ausflüge ins Gebirge vor allem unter jungen Leuten so angesagt wie heute. Der Andrang in den grenznahen Hochgebirgen sowie auch in Österreich und der Schweiz ist damit entsprechend hoch. Mit den Folgen dieses Trends müssen sich allerdings auch die deutsche, die österreichische und die Schweizer Bergrettung immer häufiger beschäftigen.

Wie in vielen anderen Sportarten auch ist die mangelnde Selbsteinschätzung vieler Menschen die Hauptursache für Unfälle und Verletzungen im Gebirge. Alleine die Bergwacht Bayern führt laut eigenen Angaben jährlich rund 12.000 Einsätze durch, um in Not geratenen Menschen zu helfen bzw. medizinisch zu versorgen. Ein zunehmendes Problem sind dabei auch die Wandertouren mancher Leute während der Abenddämmerung bzw. in den Nachtstunden. Letztere werden vor allem durch immer fortgeschritteneres, technisches Equipment der Wanderer bzw. Kletterer begünstigt.

Aber nicht immer ist es menschliches Versagen, das zu einem Notfall einem Einsatz der Bergretter führt. Auch die anhaltenden klimatischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte tragen ihren Teil dazu bei. So verursacht der Klimawandel eine zunehmende Lockerung bzw. Auflösung von Gestein und damit auch potentiell tödliche Vorkommnisse wie Felsrutsche oder Steinschlag.

Welche Gefahren drohen beim Bergwandern?

Experten unterscheiden im Allgemeinen zwischen den sogenannten objektiven Gefahren und den subjektiven Gefahren. Als objektive Gefahren werden generell naturbedingte Vorkommnisse bezeichnet, die mit einem erhöhten Risiko für Wanderer und Bergsteiger einhergehen. Unter anderem sind dies:

  • SteinschlagUnwetter beim Bergwandern
  • Dunkelheit
  • Lawinen / Wechten
  • Klimabedingungen (Nässe, Hitze, Unwetter, Kälte, etc.)
  • Gletscherspalten

Zu den subjektiven Gefahren beim Bergwandern zählen somit vor allem persönliche bzw. individuelle Eigenschaften wie z.B.

  • unzureichende körperliche Kondition
  • mangelhafte Ausrüstung (qualitativ oder technisch)
  • falsche Planung / mangelndes Zeitgefühl
  • Fehlentscheidungen aufgrund von Gruppendynamik
  • Geringe Erfahrung (Leichtsinn, Selbstüberschätzung, etc.)

Natürlich ist eine klare Trennung dieser beiden Kategorien nur bedingt möglich. Viele Experten sind heute der Meinung, dass objektive Gefahren erst durch subjektives Fehlverhalten beim Bergwandern hervorgerufen werden. So wird beispielsweise große Hitze während einer Wanderung erst durch unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder einer zeitlichen Fehlkalkulation zum ernsthaften Problem. Auch die richtige Ausrüstung spielt eine wesentliche Rolle, um beispielsweise auf Steinschlag o.ä. reagieren zu können. In aller Regel sind es dabei auch nicht die extrem herausfordernden Aktivitäten wie Klettern bzw. Bergsteigen, die zum Notfall führen, sondern eher die „gewöhnlichen“ Bergwanderungen. Einer Studie des Schweizer Alpen-Clubs SAC zufolge entfielen im Jahr 2015 fast 1.200 Notfälle auf Bergwanderer, während nur etwa 120 Einsätze aufgrund von Kletterern durchgeführt wurden. Mit etwa 46% aller Unfälle sind Stürze bzw. Abstürze die mit Abstand die häufigste Notfallsituation in den Bergen. Die meisten Einsätze werden dabei in den Sommermonaten Juli und August durchgeführt.

Das Informationsportal trekkingguide.de bietet eine gute Übersicht über das richtige Notfallmanagement beim Bergwandern. Hier finden sich wertvolle Tipps zu vielen potentiellen Gefahrensituationen wie Blitzschlag, Unterkühlung oder Herz-Kreislaufprobleme.

Wer zahlt den Rettungseinsatz?

Sollten die Retter der Bergwacht trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch tätig werden müssen, ist es sinnvoll, sich zuvor über den individuellen Versicherungsschutz informiert zu haben. Grundsätzlich gilt es zu unterscheiden, ob es sich bei der jeweiligen Maßnahme um eine Rettung oder um eine Bergung des Verunfallten handelt.

Helikopter der BergrettungKommt der Einsatz eines Rettungswagens nicht in Frage und wird zum Schutz der Gesundheit des Verletzten ein Helikopter angefordert, handelt es sich um eine Rettung. Die sich hieraus ergebenden Kosten werden in der Regel durch die Gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt.

Anders sieht es aus, wenn der Hubschrauber bspw. nur aufgrund eines unwegsamen Geländes zum Einsatz kommt und der „normale“ Rettungsdienst aus medizinischer Sicht ausreichend gewesen wäre. In diesem Fall spricht man von einer Bergung. Hierbei wird die verletzte Person zunächst mit dem Helikopter zunächst an eine für den Rettungswagen erreichbare Stelle transportiert und von dort aus in die Klinik gebracht. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen dabei für die Kosten des Hubschraubereinsatzes nicht aufkommen. Je nach Umfang der Bergung übernimmt die Kasse in der Regel jedoch stets einen Teil der Kosten.

Wer sich also – mit welchem Ziel auch immer – in die Berge begibt, sollte sich sowohl im Vorfeld als auch während des Trips um stets um seine eigene Sicherheit bemühen, um böse Überraschungen beim Bergwandern bestmöglich zu verhindern.

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