Einsatz von OP-erprobtem Polysaccharidpulver bei der Erstversorgung von Zivilisten

Betrachtet man die Entwicklung des Einsatzfahrtaufkommens im deutschen Rettungsdienst innerhalb der zurückliegenden 10-15 Jahre, so lässt sich insgesamt ein absoluter Anstieg der Einsätze verzeichnen. Gleichzeitig wächst sowohl hierzulande als auch international die Sorge vor terroristischen Anschlägen wie denen in Brüssel, Lahore oder Paris und dem damit verbundenen Bedarf an umfassender, notfallmedizinischer Erstversorgung von schwer verletzten Zivilisten.

All dies geschieht in einer Zeit, die von finanziellen Engpässen und einer hohen Knappheit an Ressourcen im medizinischen Sektor geprägt ist. Die Vorbereitung auf potentielle Anschläge ist zudem kostspielig und diffizil. Auf Expertenseite ist man sich heute einig, dass die Erstversorgung am Ort des Geschehens daher zunehmend an Bedeutung gewinnen wird und lebensrettende Sofortmaßnahmen mehr denn je eine entscheidende Rolle spielen werden. In vielen Fällen steht die Behandlung starker bis lebensgefährlicher Blutungen im Mittelpunkt der Versorgung, um Schockreaktionen oder gar ein Versterben des Patienten vor Ort zu verhindern.

Polizei Frankreich NotfallEin Blick in den Leitfaden für Katastrophenmedizin, veröffentlicht vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, zeigt die standardisierten und gleichzeitig bewährten Anwendungsverfahren zur Kontrolle starker Blutungen. So gehören das Anlegen von Kompressen, das Hochlagern von Extremitäten oder die Verwendung von Druckverbänden bzw. Tourniquets zur gängigen Praxis bei starkem Blutverlust oder drohenden Schockreaktionen. Experten gehen zudem bereits seit längerem der Frage nach, welche blutstillenden Mittel bzw. Maßnahmen im Falle eines Falles mehr Effizienz bieten. So hat sich beispielsweise das derzeit aus 232 Mitgliedern bestehende THOR-Netzwerk (Trauma Hemostasis and Oxygenation Research) dieser Thematik angenommen und forscht u.a. an der Weiterentwicklung lebensrettender Eingriffe im präklinischen Umfeld. Ein am 20. Juni dieses Jahres stattfindendes Symposium wird sich hierfür u.a. mit der Hämostase bei Blutgerinnungsstörungen und blutstillenden Hilfsmitteln am Ort des Notfalls beschäftigen.

Letztere Thematik wird auch durch das auf pflanzlicher Polysaccharid-Basis wirkende Hämostatikum StarSil® Hemostat adressiert, welches inzwischen vermehrt als Notfallset bei schweren Blutungen eingesetzt wird. Der Effekt des hämostatischen Pulvers beruht dabei im Wesentlichen auf einer schnellen Konzentration von Blutbestandteilen durch Flüssigkeitsentzug aus dem Blut. Dadurch wird ein Blutclot beschleunigt gebildet, der die blutende Wunde abdichtet. Zudem wird die Blutgerinnung durch den direkten Kontakt des Pulvers mit der Wunde beschleunigt. Die Anwendung lässt sich dabei sowohl durch geschultes Fachpersonal als auch durch medizinische Laien vornehmen. Einige interessante Aspekte dieser Methode sollen im Folgenden näher betrachtet werden.

Bei einem akuten Blutverlust kommt es in der Regel zum Einsatz sog. Volumenersatzmittel (Infusionen), welche die Durchblutung von lebenswichtigen Organen sowie den Blutdruck im Allgemeinen stabilisieren. Eine schnelle Abdichtung der blutenden Wunde und die Beschleunigung des Blutgerinnungsprozesses vor Ort mit Hilfe von StarSil® Hemostat könnte den Bedarf derartiger Maßnahmen theoretisch senken. Auch die Gefahr von Blutungsschocks durch den Patienten ließe sich bei zeitnaher Anwendung erheblich reduzieren. Die Bereitstellung von Fremdblut am Einsatzort ist heute noch mit hohen technischen und logistischen Einschränkungen verbunden und auch aus soziokulturellen Gründen nicht immer unproblematisch. Ein hochwirksames blutstillendes Mittel als Präventivmaßnahme könnte somit eine effiziente Alternative darstellen.

Erste Hilfe MaßnahmeNotfallversorgung Blutstillungn bei schweren Blutungen beinhalten häufig die Anwendung sog. Tourniquets (Staubänder), welche den Austritt des Blutes durch ein entsprechendes Abbinden der Adern verhindern. Wie die französische Fachzeitschrift „Lancet“ vergangenen Dezember berichtete, griffen Notfallmediziner während der Attentate von Paris sogar auf ihre Gürtel zurück, um die vielen schwerverletzten Personen vor dem Verbluten zu retten. Eine potentielle Gefahr entsteht in diesem Zusammenhang dann, wenn Privatpersonen zu derartigen Maßnahmen greifen und eine nicht fachgerechte Anbringung des Tourniquets erfolgt. Ein zu langes Abschnüren der Extremität oder gar ein Vergessen des Staubandes kann zu schwerwiegenden Folgen bis hin zu einem Absterben der betroffenen Region führen. Die präklinische Verwendung von bereits OP-erprobtem Polysaccharidpulver am Einsatzort könnte hingegen eine sichere Versorgung des verletzten Gefäßes gewährleisten und eine risikofreie Notfallversorgung damit begünstigen.

Durch die vorbildlich koordinierten Einsätze des Rettungspersonals während der Anschläge von Paris wurde laut „Lancet“ eine optimale Zuteilung aller verfügbaren Ressourcen gewährleistet, was bei einer Vielzahl zu behandelnder Notfälle keine Selbstverständlichkeit ist und in der Vergangenheit schon häufiger eine mangelhafte Versorgung einzelner Schauplätze mit sich zog. Im Falle schwerwiegender Blutungen muss tendenziell von einer personalintensiven Behandlung der verletzten Person ausgegangen werden. Inwiefern der Einsatz eines Hämostatikums und der damit herbeigeführte Stillstand der Blutung während der Erstversorgung zu einer verbesserten Zuteilung von Einsatzkräften führt, kann in diesem Zusammenhang nur schwer abgeschätzt werden. Dennoch könnten theoretisch auch medizinisch ungeschulte Personen im Rahmen der Erstversorgung das Polysaccharidpulver zum Einsatz bringen und hierdurch eine Entlastung der professionellen Einsatzkräfte herbeiführen.

Interessant erscheint der Einsatz chirurgischer Hämostatika im Rettungsdienst in jedem Fall mit Blick auf die Kosten der Bereitstellung von Fremdblut. So bestätigte Steffen Ruchholtz, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Marburg, in einem Bericht der FAZ, dass vor allem große unfallchirurgische Zentren nicht zuletzt durch die hohen Kosten für Blutkonserven vermehrt in die roten Zahlen abdriften. Erst im vergangenen Jahr berichtete der Focus, dass der Einkaufspreis der Krankenhäuser für eine Blutkonserve von einem Liter derzeit bei knapp 270 Euro läge. Es ist somit zumindest denkbar, dass die Herbeiführung einer sofortigen Blutgerinnung am Einsatzort mit Hilfe von Polysaccharidpulver den Bedarf an Fremdblut in Klinken langfristig reduzieren könnte.

Bei der Anwendung eines Hämostatikums wie StarSil® Hemostat im Rahmen der Ersten Hilfe bedarf es zunächst keiner spezifischen Unterscheidung von Zivilisten und professionellem Personal. Zudem benötigt StarSil® Hemostat keine speziellen Lagerungsmaßnahmen. Selbstverständlich kann und darf der Einsatz eines derartigen Blutstillungsmittels durch den Endnutzer keinen Ersatz für eine (not)ärztliche Behandlung darstellen. Nicht selten macht ein starker Blutverlust jedoch ein zeitkritisches Handeln von Ersthelfern erforderlich, weshalb vor allem die Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes einen wesentlichen Faktor darstellt. In Hinblick auf die Verwendung von Polysaccharidpulver durch professionelles Rettungspersonal gelten natürlich gleichermaßen alle oben genannten Aspekte.

StarSil Wirkung Polysaccharidpulver

Zusammenfassend sollte gesagt werden, dass die Entwicklung und Erforschung blutstillender Hilfsmittel am Ort eines Unfalls, eines Anschlages oder eines militärischen Vorgehens nicht unbedingt neu sind. Seit vielen Jahren werden Kompressionsmethoden in Verbindung mit blutstillenden Mitteln oder auch Injektionslösungen angewandt (letztere jedoch auch in Verbindung mit kritischen Nebenwirkungen wie Organversagen, etc.). Dennoch scheint die Anwendung eines Hämostatikums wie StarSil® Hemostat nicht nur für den Rettungsdienst, sondern auch für Zivilisten erstmals eine hochwirksame und risikofreie Alternative zu den bislang bekannten Maßnahmen darzustellen. Die Verlagerung einer Erstversorgung von schweren Blutungen unter Zuhilfenahme von Polysaccharidpulver erscheint sowohl aus Effizienzgründen als auch aus finanzieller Hinsicht langfristig sinnvoll.

 Inhalt Notfallset Polysaccharidpulver

StarSil Anwendung Polysaccharidpulver

Quellen:

Lancet, 2015, 368: 2535-38; The medical response to multisite terrorist attacks in Paris

Focus, 2015; Blutspenden-Paradies: Mit ihrem Blut verdient das Rote Kreuz Milliarden

F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.12.2015, S. 0N1; Notfallmedizin in Zeiten des Terrors

Shock, Vol. 41, Supplement 1; Trauma Hemostasis and Oxygenation Research Position Paper

Statista 2016; Einsatzfahrtaufkommen im öffentlichen Rettungsdienst in Deutschland nach Einsatzart in den Jahren 1994 bis 2013

Abb.1: Wirkungsweise Starsil: Die Polysaccharidpartikel (weiß) liegen zwischen den roten Blutkörperchen. Die Fibrinvernetzung (gelb) beginnt.

Abb.2: Inhalt eines Notfallsets inkl. Polysaccharidpulver zur Kontrolle schwerer Blutungen

Abb.3: Beispielbild einer Versorgung mit Polysaccharidpulver: Ellbogen nach einer großflächigen Verbrennung durch Elektrokabel. Die Verbrennungen wurden mit StarSil® Hemostat abgedeckt.

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